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Die Fragen lieb haben

Inspiriert von Rilkes "Briefe an einen jungen Dichter" über die Fragen im Leben.

Die großen Fragen des Lebens. Welche sind es?

Was ist Liebe? Was ist der Sinn im Leben? Was kommt nach dem Leben?


Oder sind es die "kleinen" Fragen des Lebens? Was fange ich heute mit meinem Tag an? Was, wenn ich jetzt wirklich ehrlich bin und sage, was ich denke? Was, wenn ich heute nur das tue, was mir Freude macht?


Könnten wir Rilke noch fragen, so kann es durchaus sein, dass er uns mit seinen Worten aus "Briefe an einen jungen Dichter" antwortet:


"Man muss Geduld haben mit dem Ungelösten im Herzen,

und versuchen, die Fragen selber lieb zu haben."


Geduld und die Fragen liebhaben? Geduld an sich ist bereits eine Probe, mit der es nicht jeder immer aufnimmt. Dann auch noch die Fragen liebhaben? Ich hab es oft lieber, wenn ich auf meine ungelösten Fragen eine Antwort finde. Am besten schnell. Am besten gleich. Tja, aber so leicht macht es mir das Leben nicht. Womöglich wäre das auch zu einfach. Oder vielleicht ganz und gar nicht das was mit Leben gedacht ist. Rilkes Worte:


"Reifen wie der Baum,

der seine Säfte nicht drängt

und getrost in den Stürmen des Frühlings steht,

ohne Angst,

dass dahinter kein Sommer kommen könnte."


Nochmal zurück zur Geduld. Die braucht es wohl, wenn Rilke hier vom Sommer spricht und wir erst Mitte März schreiben. Aber was meint Rilke mit Geduld?


"Man muss den Dingen die eigene, stille

ungestörte Entwicklung lassen, die tief von innen kommt

und durch nichts gedrängt

oder beschleunigt werden kann..."


Also nichts mit meiner Schnelligkeit, wenn ich Rilkes Rat folgen möchte.


Und wie ist das nun mit den Fragen? Diese liebhaben?

Das klingt für mich so als hätte mir vor Jahren mein Mathematiklehrer gesagt, dass ich die Gleichung mit der Unbekannten X doch liebhaben soll. Ich war aber ganz motiviert darauf X zu lösen. Die Gleichung zu lösen. Zu wissen was X ist. Die Antwort kennen. Keine Emotion sondern klarer Ratio.

Aber ist Leben eine Gleichung lösen? Ein lieber Freund und Mathematiker sagte mir vor Jahren "Mathematik ist leicht, das Leben nicht." Wäre dem nicht so, könnten wir ja alle unsere Fragen "ausrechnen" und konkrete Antworten erhalten. Leben ist aber eben doch nicht eine Gleichung lösen und schon gar nicht eine mit nur einer Unbekannten. Oder doch und es gilt den Weg dabei liebzuhaben...


Ich bin vom Fragen lösen wollen ganz verwirrt und nehme nochmal Rilkes Buch in die Hand.


Rilke schreibt von Immanenz. Ein In-der-Welt-sein: Eine gelebte Erfahrung und sinnliche Wahrnehmung der Welt als Zugang zur Selbsterkenntnis. Er drückt damit ein Vertrauen in die innere Fähigkeit aus, alles was du benötigst, von der Welt selbst erlenen zu können, wenn du dich wirklich auf sie einlässt. Das gibt mir Hoffnung.

Dieses Einlassen benötigt aber Mut.

Sich den Fragen und vor allem dem Leben stellen. In Liebe.

Denn vielleicht geht es gar nicht immer nur um die Fragen an sich, sondern vielmehr um ein Er-leben und daraus Gestalten des Leben durch sie.

"Es handelt sich darum, alles zu leben.

Wenn man die Fragen lebt,

lebt man vielleicht allmählich,

ohne es zu merken, eines fremden Tages

in die Antworten hinein."



Dass der Frühling wie die Knospen an den Bäumen, Blüten der Geduld in uns blühen lässt. Für alles, was ungelöst scheint.


Ich lege dankbar Rilkes Buch aus meiner Hand und gehe in die Natur.


Aus dem Herzen, Isabell




 

Leseempfehlung:

- "Briefe an einen jungen Dichter" von Rainer Maria Rilke


Musik für das Herz: - Alles wird gut - YouTube von Gregor Meyle

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