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  • Isabell

Die Magie des Reisens

Über den Zauber vom Reisen und der eigenen Reise in sich.

Reisen in fremde Länder können einen wachsen lassen. Kate Douglas Wiggin beschreibt es schön mit „Es liegt eine Art Magie über dem Fortgehen, um dann völlig verändert zurückzukehren.“ Eine Veränderung die mit jedem Schritt, den man bei der Reise macht, mit sich geht. Oft ganz unscheinbar, dann wieder intensiv fühlbar. Eine Veränderung findet statt. So wie sich Orte verändern, passiert auch etwas mit dem Reisenden auf der Reise durch diese Orte.

Nur was liegt hinter dem Reisen? Eine Sehnsucht oder Suche? Alain de Botton versucht in seinem Buch „Kunst des Reisens“ dem „warum“ auf den Grund zu gehen und nimmt hier Bezug zur griechischen Philosophie mit dem Begriff "eudaimonia"- der Entfaltung der Persönlichkeit. Dass die Frage nämlich nicht nur sein sollte, wohin man reise, sondern eben auch warum und vor allem wie. Gibt es Erwartungen, die man den Land gegenüber hat, die erfüllt werden, so ist es fein, aber ebenso möglich, dass es zur Ent-täuschung kommt. Manchmal erfährt man die Realität ganz anders, als man sie über Bilder gesehen, in Büchern gelesen oder von anderen erzählt bekommen hat. Es waren eben auch Vorstellungen im eigenen Kopf und keine Erfahrungen. Gibt es da vielleicht auch Sehnsüchte in einem, die zuvor gar nicht bewusst waren. Selbstfindung inklusive statt All Inklusive. Und: Wie geht es dem Körper mit der Veränderung? Dass nämlich ein Zurechtkommen im Land auch von der Mitarbeit des eigenen Körpers abhing, berichtet Alain de Botton in seinem Buch aus eigener Erfahrung, als er auf Barbados ankam und sein Körper als "eigenwilliger Reisebegleiter" über Müdigkeit, Hitze und Insekten sich beklagte. Klima, Essen, Zeitzone- so vieles ist anders. Und dann kann es auch sein, dass das Weltbild ein ganz anderes ist. Geformt durch Religion und/oder Politik. So vieles anders als gewohnt.

„Jeden von uns hat der Wind ohne unser Zutun in ein bestimmtes Land geweht.“

schrieb der französische Schriftsteller Gustave Flaubert. Und diese Gewohnheiten prägen uns, erzeugen Muster, die nicht so leicht zu durchbrechen sind, auch nicht im Flow des Reisens. Es war zwar der Wind (nach Flaubert), der uns dort geboren lies, wo wir geboren sind, aber de Botton fügt dem klug hinzu:

"Doch werden wir als Erwachsene mit der Freiheit beschenkt, in der Phantasie unserer Identität entsprechend unserer wahren Zugehörigkeit neu zu bestimmen."

Und dafür braucht es Zeit, Gefühl und Raum um in sich hinein zu fühlen, ob man sich denn in diesem Land zugehörig fühlt- den Menschen, der Kultur, der Religion... Was braucht es aber zur Zugehörigkeit oder zum Wohlfühlen? Natur, Menschen, Essen - Freiheit, Schutz, Vertrauen? Oder gibt es daneben auch den Reiz, dass im Land etwas anders ist, das man vielleicht kennen lernen will, weil es fremd ist oder womöglich man selbst (unbewusst) vermisst. Oft wächst aus der Sehnsucht, das Bedürfnis zu verstehen. „Vielleicht schätzen wir bestimmte Dinge in der Fremde nicht nur, weil sie für uns neu sind, sondern weil sie unserer Identität und dem, was uns am Herzen liegt, besser entsprechen als alles, was unser Heimatland zu bieten hat.“ schreibt Alain de Botton. Aber genau so darf es sein, dass man merkt, dass sie einem nicht entsprechen, aber dennoch berühren.

Länder, in denen ein Frauenbild herrscht, dass einem nicht stimmig ist. Länder, in denen die Armen ausgebeutet werden, dass nicht sein soll. Länder, in denen die Reichen noch reicher gemacht werden, dass verboten werden soll. Länder, in denen Kinder missbraucht werden, dass nicht passieren darf. Den Worten von Francois Guizot „Dass diejenigen, welche viel reisen, an Urteilskraft gewinnen, dass die Gewohnheiten – fremde Völker, Sitten und Gebräuche zu beobachten, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie von manchen Vorurteilen befreit“ füge ich hinzu:

Dass diejenigen, welche reisen, den Kreis ihrer Ideen erweitert und sie zu mancher Aussage bekräftigt, nämlich die ihre: durch die Selbsterfahrung des Aufwachen, Hinsehen/Hinspüren und Auseinandersetzen mit.

Nadine Pungs schreibt in ihrem Buch „Das verlorene Kopftuch“ brillant wie der Iran ihr Herz berührte. "Ein Land in dem Fiktion und Realität verschwimmen"- nach gleichnamigen Zeitungsbericht im Standard (3. August 2019) von Gudrun Harrer (https://www.derstandard.at/story/2000106994624/gando-im-iran-verschwimmen-fiktion-und-realitaet). Der Iran ließ auch mich auf meiner Reise durch das Herzland des Orients weich werden. Viele Tränen vergoß ich unter dem Kopftuch, weil ich mich als Frau nicht gesehen fühlte und so viel nicht verstand in diesem Land, dessen Eindrücke mit Landschaft, Berge und Natur ich trotz allem nicht missen möchte. Aber hat es mich verändert, im Wesen und Denken über mich- und auch über das Land.

Mit Nadine Pungs Worten: „Weil es nicht nur Schwarz oder Weiß gibt. [...[ Dabei hat die Wahrheit Graustufen. Und iranische Wahrheiten schimmern in Myriaden von Nuancierungen."


Doch sind es letztendlich Erfahrungen, die einem bescheiden und auch demütige werden lassen, welch kleinen Platz man in der Welt besetzt- nach Gustave Flaubert. Aber ich bin der Meinung, man darf sich diesen Platz nehmen, egal ob Mann oder Frau, und die eigenen Werte vertreten.


Um mit Worten von Alexander von Humbold diesen Eintrag mit Würde und Respekt aller Länder gegenüber abzuschließen :

„Die gefährlichste Weltanschauung ist die Weltanschauung derer, die die Welt nie angeschaut haben.“

Sinnliche Grüße,

Isabell

Buchtipps:

- "Kunst des Reisens" von Alain de Botton

- "Das verlorene Kopftuch" von Nadine Pungs - "Im Iran dürfen Frauen nicht Motorrad fahren" von Lois Pryce - "Im Land der Mullahs" von Antonia Rados

Und für Inspirationen, weil es viel zu entdecken gibt in der Welt: - "1000 Places to see before you die" von Patrica Schulz

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