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  • Isabell

Kannst du bitte einmal innehalten

Was der Herbst uns lehren kann.

Die Temperaturen sinken, die Tage werden kürzer und in mir kommt immer mehr ein Bedürfnis nach Ruhe auf. Ich sitze mit Tee und Wärmeflasche auf der Couch. Es ist Vormittag. Eigentlich ein ganz normaler Wochentag. Trotzdem will mein Körper Ruhe und zeigt mir über Nacht klar auf: Heute bleiben wir zuhause. Etwas in mir verändert sich die letzten Wochen. Ich spüre weniger Kraft nach Außen zu gehen, vielmehr eine Kraft, die mich nach Innen gehen lassen will. Anfangs nehme ich sie kaum wahr, tue und bewege mich wie gewohnt. Dort und da spüre ich schon, dass mein Tun mir nicht mehr ganz so leicht von der Hand geht. Am Wochenende zuvor war ich eine Runde im Lainzer Tiergarten laufen und nahm die Veränderung der Bäume ganz bewusst war. Dazu greife ich jetzt zu Hesses Gedichtsbuch, ein Geschenk eines lieben Freundes, das mich an manchen Tagen zärtlich berührt. Hesse schrieb gerne über das Werden und Vergehen der Natur und ich stoße dabei auf "Baum im Herbst":

Noch ringt verzweifelt mit den kalten Oktobernächten um sein grünes Kleid Mein Baum. Er liebt's, ihm ist es leid, Er trug es fröhliche Monde lang, Er möchte es gern behalten. Und wieder eine Nacht, und wieder Ein rauer Tag. Der Baum wird matt Und kämpft nicht mehr und gibt die Glieder Gelöst dem fremden Willen hin, Bis der ihn ganz bezwungen hat. Nun aber lacht er golden rot Und ruht im Blauen tief beglückt. Da er sich müd dem Sterben bot, Hat ihn der Herbst, der milde Herbst Zu neuer Herrlichkeit geschmückt. Hermann Hesse


Hesses Feingespür der Wahrnehmung des Herbstes und der Ausdruck in seinem Gedicht stimmen mich nachdenklich. Möchte ich auch wie der Baum das "grüne Kleid" behalten und mich weiterhin wie im Sommer voller Energie im Außen bewegen? Gibt mein Körper diesen "Kampf" auf, indem er mir in der Nacht aufzeigte: Ich brauche Ruhe. Und werde ich wohl in ein paar Wochen glücklich ruhen können. Ich vertraue: Denn der Herbst kam jedes Jahr und ließ die Blätter golden rot färben. Ich blicke aus dem Fenster und auf der Spitze eines Baumes sitz ein kleiner Vogel. Die Sonnenstrahlen lassen ihn leicht erleuchten. Mir saust der Spruch von Wilhelm Busch durch den Kopf:

„Wer zusieht, sieht mehr, als wer mitspielt.“ Wilhelm Busch

Ich schmunzle. Vielleicht gibt es in der Herbstzeit etwas mehr das Zusehen zu üben als das Mitspielen. Tee trinken statt Eis schlemmen.

Suppe schlürfen statt Salat essen. Ruhe geben statt Hinaus gehen.


Womöglich liegt im Innehalten eine viel größere Kraft als uns bewusst ist. Sicher ist diese Kraft im Außen nicht sichtbar, weil sie "nicht" tut. Denn sie ruht. Im Inneren. Elizabeth Barrett Browning, englische Dichterin in der Viktorianischen Zeit, meinte:

Nichts bringt uns auf unserem Weg besser voran als eine Pause." Elizabeth Barret

Gar nicht so leicht, denke ich mir. Aber: Etwas ganz tief im Inneren fühlt sich seit dem Moment, an dem ich meine Termine für heute abgesagt hab, wohl und frei. Ja, es darf sein! Hoch lebe der Herbst, nicht immer nur der Frühling, wo alles blüht und in die Kraft kommt. Denn:

„Der Herbst ist ein zweiter Frühling, wo jedes Blatt zur Blüte wird.“ Albert Camus

In diesem Sinne. Auf etwas mehr Innehalten und zur Ruhe kommen im Herbst.


Mit golden rot farbenen Blättergrüßen, Isabell


 

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