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  • Isabell

Wozu diese Eile?

Über die Langsamkeit, Ruhe und das Faul sein.


"Wozu diese große Eile? Ihr werdet doch sowieso niemals alles schaffen, was ihr euch vorgenommen habt. Warum geht ihr also die Dinge nicht einfach etwas gelassener an? Alles, was ihr tut, sollte letztendlich nur einem einzigen Zweck dienen, nämlich euch Freude schenken. Seid also guten Mutes! Lacht mehr. Bringt dem Leben mehr Wertschätzung entgegen. Alles ist gut."


Abraham-Hicks


Diese Worte erreichten mich unlängst am Ende einer Yogaklasse bei Anne von shenyo und ließen mich länger in der Endentspannung verweilen als sonst. Die Frage "Wozu diese große Eile?" klang nach. Ich hatte einen freien Tag vor mir, also warum sofort auf von der Yogamatte, wenn ich doch eigentlich frei hatte? Zeit zum Sein. Zeit zum Nichts-tun. Zeit zum Langsam sein.

Aber, etwas in mir meinte es offenbar anders. Gewohntes Tun. Gewohntes Beschäftigt sein. Gewohnte Schnelligkeit.

Wir leben in einer schnellen Welt in der ich verleitet werde schnell zu sein.

Ablenkung hier. Ablenkung dort. Termin da. Termin dort. Erledigung heute. Erledigung morgen.

Das klingt jetzt so, als würde ich gar nichts tun können gegen dieses schnelle Leben.

Das wäre zu einfach, sagt eine Stimme in mir. Ich habe die Vermutung, dass es auch an mir liegt und das etwas in jedem von uns anders kann, wenn es will.


Ein Sprichwort aus China besagt

"Schildkröten können dir mehr über den Weg erzählen als Hasen."

und lässt mich schmunzeln. Wie oft bin ich Häsin? Und gibt es etwas in mir, das lieber Schildkröte ist?

Wenn ich zurück denke, als ich vor Jahren auf meiner Iranreise eine Schildkröte beobachtete, so wird mir heute noch warm ums Herz. Diese Langsamkeit, diese Achtsamkeit und diese Ruhe.

Was macht der Gedanke, wenn ich von Zeit zu Zeit die Qualität einer Schildkröte lebe?

"Ja, dann tu ich doch nichts!" ruft eine innere kritische Stimme in mir.

Langsam sein, bedeutet per se nicht untätig sein. In Konrad Paul Liessmanns Buch "Mut zur Faulheit" schreibt der Wiener Philosoph, dass das Wort Faulheit kein "eindeutiger" Begriff ist. "Das griechische argos bestimmte den Faulen als einen, der schlicht nicht arbeitet; das lateinische Adjektiv piger bestimmt den Faulen jedoch als einen, der in allem, was er tut, "langsam" ist." Also alles eine Betrachtungsweise, die frei gewählt werden darf. Was darfs also sein - Griechisch oder Latein? Ich wähle frech Latein, als Trotz, weil ich es in der Schule nie lernen konnte. Und weil selbst Pippi Langstrumpf singt "Faul sein ist wunderschön".

Interessant dazu ist, dass im Italienischen das Wort faul als pigro übersetzt wird. Langsames Tun.

Wie wäre es also mit ein bisschen dolce far niente? "Süß ists, Nichts zu tun" übersetzt mir der Duden. Ein bisschen Italien im Leben?


Vom süßen Italien ins bunte Indien nach Dharamsala zu Dalai Lama:


„Der Mensch,

denn er opfert seine Gesundheit,

um Geld zu machen.

Dann opfert er sein Geld,

um seine Gesundheit wiederzuerlangen.

Und dann ist er so ängstlich

wegen der Zukunft,

dass er die Gegenwart nicht genießt.

Das Resultat ist,

dass er nicht in der Gegenwart oder in der Zukunft lebt.

Er lebt, als würde er nie sterben.

Und dann stirbt er und hat nie wirklich gelebt…“



Sehr klar ausgesprochen. Aber wohl auch mit einigen Funken Wachheit. Welche man für sich auch immer heraus lesen mag.


Eines kann der Langsamkeit aber wohl nicht abgesprochen werden, die Möglichkeit mehr zu sehen. Dazu gibt es aktuell im Kino einen wunderschönen Film: Der Schneeleopard. Im Film durchstreifen Fotograf Vincent Munier und Schriftsteller Sylvain Tesson das Herz des tibetischen Hochlands und bieten "slow cinema" der besonderen Art. Ein Film "der zur inneren Reise einlädt, Sinne und Werte neu ausrichtet" - so Martin Nguyen.


Ich ermutige zur Langsamkeit, oder nach Konrad Paul Liessmann und Pippi Langstrumpf zur Faulheit!


Ein bisschen Schildkröten sein, bevor der Sommer uns nach draußen ruft. Denn im Ruhe halten liegt ein Kraft tanken.

,,Es gibt wichtigeres im Leben, als beständig dessen Geschwindigkeit zu erhöhen.‘‘ Mahatma Gandhi

Sinnliche Grüße,

Isabell



 

Filmtipp:

- "Der Schneeleopard" zum Beispiel im Filmcasino


Lesetipp:

- "Mut zur Faulheit" von Konrad Paul Liessmann


Herzenstipp:

- Yoga mit Anne von shenyo


Musiktipp: - "Faul sein ist wunderschön" von Pippi Langstrumpf


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